History Haus

Hausblog 5-Zusage

Nach der mündlichen Zusage im August 2015 mussten wir ein bisschen Realität in unser Luftschloss bekommen. Es begannen zu Hause wilde Diskussionen was wir wollen. Zunächst war zu klären, ob wir sanieren oder abreißen und neubauen. Wir bekamen eine Empfehlung eines Architektenbüros und machten einen Besichtigungstermin. Die Architektin schaute genauer hin als wir es könnten. Es wurde gehüpft, am Putz gekratzt und viel an Wände geklopft. Nach dem Hausrundgang sagte sie uns worauf wir uns einstellen mussten. In einigen Bereichen muss die Decke neu gemacht werden. Die Fenster müssen raus. Durchbrüche werden eher nicht gehen, der Statik sei Dank. Am meisten aber macht ihr die Fassade Sorgen. Die Risse in der Fassade sind riesig. Vom Makler haben wir erfahren, die Risse seien aus einem Bombenangriff aus dem 2. Weltkrieg. Sie schlug trotzdem vor Gipsbrücken auf die Risse an der Fassade anzubringen, sicher ist sicher. Wir teilten diese Haltung. Dann fragte sie uns was wir wollen, was unsere Vorstellungen seien. Ich holte meinen Stapel an Plänen, Skizzen und Ideen hervor. Sie seufzte nur.

Parallel versuchten wir endlich die vertraglichen Dinge unter Dach und Fach zu bekommen. Wir waren bei Notaren, Banken, Steuerberatern und sammelten viele Informationen. Wir sind hervorragend organisiert und informiert, nur einen Kaufvertrag gab es immer noch nicht. Zwar hat die Verkäuferin dem Kauf inzwischen mündlich zugestimmt, aber es fehlte immer irgendwas. Erst irgendwelche Papiere für die Garage, dann ist angeblich bei dem Bau eine Grundstücksteilung vorgenommen wurde, dann fehlten irgendwelche Schlüssel. Da das Haus vor 1933 gebaut wurde, musste vor Kaufvertragsschluß nachgewiesen werden, dass keine Juden zur Nazizeit enteignet wurden. Dazu braucht es den kompletten Grundbuchauszuges und wo sich dieser befindet, war nicht so ganz klar. Dann gab es Probleme bei der Kündigung der Mieter und so zog sich das ganze Spektakel gefühlt im Schneckentempo dahin. Am 2.9.2015 konnten wir dann endliche eine „Vereinbarung zur Vorbereitung eines Kaufvertrages“ unterschreiben. Hallelujah!

Zu Hause gingen die Diskussionen weiter. Mein Mann versuchte mich von einem Neubau zu überzeugen, ich ihn für eine Kernsanierung. Es dauerte sehr lange bis mein Mann mich so weit hatte, dass ich die Architektin anrief um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Ihre Antwort überraschte mich: „Ich bin sehr froh, dass ihr Mann diesen Gedanken hat. Das was Sie sich da vorstellen, wird nur schwer umsetzbar sein bei einer Sanierung.“ Dabei waren die Vorstellungen doch sehr übersichtlich, fand ich. Balkon, Dachterrasse, ein großes Bad mit Badewanne und Dusche, Gäste-WC, Keller, Dach, zwei Vollgeschosse. Ich war wohl die einzige die das so sah.

Die Architektin und wir machten einen Termin für die folgende Woche aus. Um kurz vor 20 Uhr kamen wir an und kurz nach 22 Uhr fuhren wir wieder nach Hause.

Zunächst mussten wir einen finanzielle Rahmen abstecken. Dazu wurde eine Rückrechnung gemacht. Was wir planen auszugeben für den Hausbau, wie groß wird das ganze und dazu die Fixkosten die beim Bau anfallen (Strom, Wasser, Gas abstellen/anstellen). Unterm Strich kam eine Summe pro Quadratmeter raus. Danach ging es an die Planung. Da mein Mann sich vornehm zurück gehalten hat, legte ich los. Es ging um Raumaufteilungen, Bäder, Anzahl der Räume und Balkone. Mein Mann wollte ein quadratisch praktisch günstig Haus, aber dieses verspielte und mit Erkern und Nischen fand er ja schon schick.

Ich stellte meine Idee mit dem Dach und der Dachterrasse vor, also ein halbes Dach. Die Architektin hat mich in diesem Moment für verrückt erklärt (mein Mann übrigens auch). Bei der allerersten Besprechung der Haus-Ideen mit einem Fachmann, stellt man schnell fest, dass man eigentlich absolut keine Ahnung hat. Weder von Dachformen, noch von Baurecht, geschweige denn von umsetzbaren Abflüssen. Am Ende der Besprechung stand trotzdem ein Konzept.

Wir hatten sehr gemischte Gefühle auf dem Nachhauseweg. Können wir uns das Haus leisten? Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt? Sollen wir nicht besser ein Bestandshaus kaufen? Es schwang eine riesige Portion Angst mit…

Zwei Wochen später kam die Architektin mit den ersten Entwürfen vorbei. Ich war richtig aufgeregt, wie Weihnachten. Sie erklärte uns die Pläne, wie und wo was sein sollte. Keller, Erdgeschosse, Obergeschoss und dann das Dach. Sie beendete ihren Rundgang auf dem Papier mit den Worten: „… als ich dann mit den Plänen fertig war, habe ich mir alles vorstellt. Da stand ich dann in Gedanken auf Ihrer Dachterrasse und da dachte ich ´Jetzt verstehe ich die Frau.´“ Sie erzählte auch wie schwer es war diese ganzen furchtbar vielen Wünsche und Ideen unter einen Hut zu bekommen. Wir waren durchaus angetan von den Plänen. Nach unserem Absegnen begann die Kalkulation. Doch neben der Kalkulation der Baukosten für ein neues Haus, wird auch die Sanierung durch gerechnet. Wobei die Wahrscheinlichkeit für einen Neubau steigen. Das aktuelle Haus scheint doch wesentlich mehr Mängel zu haben als gedacht.

Es ist Oktober 2015.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s