History Haus

Hausblog 4- Von Absagen und Zusagen

Nach dem Gespräch im Mai 2015 passierte lange nichts. Ehrlich gesagt hatten wir das Haus schon abgeschrieben.

Wir haben uns in der Zwischenzeit weiter auf dem freien Markt umgesehen. Wir schauten nach Baugrundstücken, nach Bestandsimmobilien und auch nach Wohnungen. Es gab in der Zeit nur ein Objekt, welches unser Herz angesprochen hat. Ein rotes Schwedenhaus. Das Haus lag auch in unserem Viertel, war fertig gebaut, hatte einen angelegten Garten und war ausreichend groß. Im Jahr 2013 als Familienhaus geplant und gebaut. Vieles war stimmig, nur ein zwei Punkte störten uns. Für mich persönlich war das Obergeschoß ungünstig aufgeteilt. Es war aber nichts was man nicht hätte ändern können. Es war ein wirklich hübsches Haus.

Leider wollte der Makler 7 % Provision, dafür, dass er uns die Tür aufschließt. So wirklich eingesehen haben wir das nicht und so beinhaltete unser Angebot eine niedrigere Courtage. Das wirklich hübsche Haus wurde dann an jemanden verkauft, der bereit war den geforderten Hauspreis und die Courtage in voller Höhe zu entrichten. Die Absage kam an einem Montag, es war genau 17.04 Uhr als der Anruf kam. Auf dem Nachhauseweg verdrückte ich ein kleines Tränchen. Als ich mein Auto auf den Parkplatz stellte, blieb ich noch kurz sitzen und sinnierte über den Sinn und Unsinn um 17.25 Uhr mit Wein anzufangen. Andererseits… Ich seufzte in mich hinein und beschloss für mich, es ist verschwendete Lebensmüh. Es ist wie es ist. Also suchte ich meinen Kram im Auto zusammen und versuchte irgendwie alles in die Taschen zu quetschen. Während ich wild rumfuchtelte, in Gedanken beim toskanischen Weißwein, hörte ich ein Auto anfahren. Der Motor klang wie… wie der alte Mercedes der älteren Herrschaften. Ich schaute mich um und traute meinen Augen nicht. Das kann doch kein Zufall sein? Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, lächelten mich beide an und hielten neben mir. „Haben Sie eigentlich noch Interesse an dem Haus?“ Mein Blick verriet meine Überraschung „JA!“ Es war Anfang Juli 2015

In den nächsten Tagen passierte erstmal nichts. Ich wurde hibbelig. Dann rief ich irgendwann an und erklärte, wir wollen im Juli unsere große Hochzeitsparty feiern und danach verreisen. Ob es möglich wäre das Haus vorher anzuschauen? Die Antwort war: Ja, klar!

Es war ein Montag, der 06. Juli 2015, als wir das Haus zum ersten Mal von innen sahen. Hohe Decken, dicke Außenwände (es war drinnen angenehm kühl), trockener Keller und richtig großes bzw hohes Dachgeschoß. Das hatten wir nicht erwartet. Der Grundriss war für eine große Familie. Insgesamt 7 Räume, eine Küche, ein Gäste-WC und ein Bad waren vorgesehen. Wenn man die Zeit bedenkt, Baujahr 1929, war das Haus sehr großzügig geplant. Hier wohnten keine armen Menschen. Erst als sich die Familie in alle Winde zerstreute, wurde aus dem großzügigen Einfamilienhaus ein Zwei-Familienhaus. Das Haus war immer in Familienbesitz, es wurde von einer Generation zur nächsten vererbt. Die jetzt vierte Generation verkauft das Haus.

Nach der Besichtigung gingen wir zu den älteren Herrschaften, den Maklern, und tranken Wein. In lustiger Runde fragte ich irgendwann mal durch das Glas, ob wir denn das Haus denn bekommen würden, wenn wir es kaufen wöllten. Der Herr nickte mir zu.

Zur Besichtigung hatten wir Pläne erhalten, aber noch kein Exposé. Richtige Pläne mit Zahlen und Linie, vorher durfte ich zwar mal einen Blick erhaschen, aber mitnehmen durfte ich nichts. Diese verschwommenen schwarzweiß Pläne haben wir mitgenommen und der Familie gezeigt. Die Meinungen waren sehr eindeutig. Ein Haus in der Lage kriegt ihr nie wieder.

Am darauffolgenden Wochenende heirateten wir und fuhren in die Flitterwochen.

Nach den Flitterwochen, wir waren immerhin zwei Wochen weg, sagten wir zumindest mal Bescheid, dass wir wieder da sind und grundsätzlich immer noch Interesse haben zu kaufen. Allerdings möchten wir jetzt mal langsam über den Preis sprechen. Das Problem zu dem Zeitpunkt war, dass die Besitzerin selbst keine Preisvorstellungen hatte. So warteten wir in der einen Woche auf einen Rückruf, in der zweiten Woche auf irgendeinen anderen Anruf und irgendwann hatten wir keine Lust mehr. Ich rief dann den älteren Herrn an und wir gaben ein konkretes Angebot ab. Er leitet es weiter. Wir warteten. Mal wieder. Wir wurden uns dann mehr oder weniger einig.

 

Am Mittwoch, den 12. August 2015, gingen wir um halb acht zu den älteren Herrschaften/ Maklern. Üblicherweise sind die Herrschaften bei schönem Wetter im Garten, diesmal aber gingen wir in die Wohnung. In der Zwischenzeit hat die halbe Nachbarschaft Interesse bekundet und man möchte konkrete Äußerungen in der Öffentlichkeit vermeiden. Die Gartenzäune haben hier Ohren.

Wir saßen im Wohnzimmer zusammen. Die Männer tranken Bier und wir Frauen Wein. Guter Wein. Leider. Sollte sich am nächsten Tag bitter rächen. Mein Mann sagte, der Preis ist völlig übertrieben, es wohnen noch Mieter drin, die Lage maximal gute B-Lage und eigentlich muss man noch SO viel machen. Andererseits, es gibt keine anderen Objekte. Deswegen würden wir es nehmen. Der ältere Herr nickte, alles klar. Er leitet alles in die Wege. Zuallererst muss er die Zustimmung der Besitzerin einholen.

Die erste Weinflasche war leer, die zweite wurde geöffnet und die Herren diskutierten über die anstehende Kernsanierung. Als die zweite Weinflasche halb leer war, gingen wir in den Garten und besprachen den Rest vom Leben. Sehr interessant was ältere Menschen so alles zu erzählen haben.

Als die zweite Weinflasche längst geleert und die dritte eingeschenkt war, gab es einen kurzen Moment als ich allein mit dem älteren Herrn war. „Meinen Sie wirklich wir kriegen das Haus? Meinen Sie, die Besitzer sagt zu?“ „Wissen Sie, Sie waren die einzige die sich ausdauernd gekümmert hat. Von allen die hier standen und angerufen haben, waren Sie die einzige die immer wieder von sich aus nachgefragt hat. Es müsste schon sehr dumm kommen, wenn jetzt noch schief gehen sollte.“

Nach der dritten Flasche Wein wurde ich netterweise nach Hause gebracht und schlief mit einem seligen Grinsen im Gesicht ein.

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