History Haus

Hausblog 3-Böhnchenschritte

 

Ich rufe aufgeregt meinen Mann an und beginne mit: Weißt du eigentlich, dass du die aller tollste Frau der Welt hat? Er bejaht das. Wenn das mit diesem Haus klappt, dann verlange ich eine Büste von mir vor dem Haus. Aus Prinzip. Mein Mann stimmt dem übrigens zu!

 Es ist der Dienstag nach Ostern 2015.

Mein Gewissen nagt an mir und ich möchte das mit der Fritz klar zu stellen. Mein Gefühl ist ungut. Wie sich rausstellt, ist das unbegründet. Statt mir an die Gurgel zu springen, sagt mir die ältere Dame, sie fand das Theater damals um die Katze völlig übertrieben. Kurz nach dem ganzen Vorfall ist die Besitzerin mitsamt der Katze ausgezogen, ans andere Ende der Stadt. Vorher fragte sie die älteren Herrschaften, ob sie nicht Interesse hätten die Katze zu nehmen. Das war kurz nach den dramatischen Vorfällen.

Es entwickelt sich ein Gespräch. Die beiden erzählen mir, dass die Erbin am Ostersamstag mit Ihnen telefoniert hat und die Chancen zum Verkauf 50/50 stehen. Zum Thema Preis hielten sich beide sehr bedeckt.

Mal abgesehen davon, dass das Haus eine Bruchbude und der Garten ungepflegt ist, gibt es da noch so ein paar rechtliche Ungereimheiten und Altlasten aus der DDR. Diese müssten vor einem möglichen Verkauf noch geklärt werden. Im Gespräch wurden noch andere Dinge angesprochen, wie die Elektrik aus den 30er Jahren, Sanitäranlagen und Rohre – quasi Antiquitäten! Das die Heizanlage auch neu gemacht werden muss, überraschte mich dann nicht mehr so. Es wurden auch schon Angebote eingeholt. Alles zusammen sollte man mit einem Renovierungsaufwand von 120.000 €  rechnen. Innerlich schaute ich in unser Sparschwein und schluckte. Ich spekuliere auf einen Lottogewinn.

Als ich sehr erleichtert nach Hause komme, möchte ich natürlich gleich alles meinem Mann erzählen. Seine Reaktion ist nicht ganz so wie erwartet. Er sagt Sachen wie „Bist du eigentlich bescheuert? Es ist nicht mal klar, ob das Haus so stehen bleiben kann oder abgerissen werden muss.“ Außerdem will er ne richtige Garage! (Neben dem Haus steht eine winzige Trabbi-Garage. Für meinen Corsa genau richtig) Jawohl, er ist ein Mann und Männer haben Garagen. So oder so ähnlich.

Freundlich wie ich bin, schlage ich ihm vor ein besseres Haus zu suchen. Es gibt in unserer Stadt keine Angebote. Wir sind nur einer von vielen potenziellen Hauskäufern. Wenn nicht wir, dann jemand anders. Ich mache auch klar, sollte irgendein Vollpfosten MEIN gefundenes Haus kaufen und ich fahre täglich an der Baustelle vorbei, dann gibt es zu Hause ein bisschen festgefrorene Hölle.

Ich fange an zu planen und ignoriere die Bedenken meines Mannes. Der seufzt inzwischen nur noch laut und theatralisch.

 

Am langen Wochenende über den 1. Mai waren wir nicht da. Ich hatte so eine Ahnung, dass sich in der Hausfrage einiges tun würde und war entsprechend hippelig. Der erste Arbeitstag nach dem langen Wochenende zog sich dementsprechend wie wie Kaugummi. Als die Uhr endlich Feierabend schlug, ging ich direkt rüber um nachzufragen. Die beiden älteren Herrschaften saßen natürlich draußen in ihrem Garten und genossen das schöne Wetter. Sie fragen mich, ob ich ein Wein will. Och, naja, wenn sie jetzt so fragen.

Er erzählt mir, er wollte mich schon anrufen. Aber an einem Sonntag ruft man nicht an und da ich ja arbeite, wollten sie auch nicht auf Arbeit stören. Aber jetzt bin ich ja da! Ich mag Telepathie.

Die Erbin war zweieinhalb Tage da und ich wollte jetzt mal die für uns entscheidenen Fragen stellen: 1. Will die Erbin jetzt verkaufen? Zu 80% hat sie sich entschieden für den Verkauf entschieden. 2. Haben wir überhaupt eine Chance zu kaufen? Nun, das Haus wird zumindest nicht ausgeschrieben und sie hoffen sehr, dass sich ein Käufer so findet. und 3. Was ist denn der Verkaufspreis? Nun, der Bodenrichtwert ist im Viertel relativ hoch.

Das Haus soll noch professionell von einem Baumenschen geschätzt werden. Blöderweise wohnen wir nicht IRGENDWO in dieser Stadt, sondern in der bester Wohnlage überhaupt. Zumindest wenn man im Industriegebiet arbeitet und nicht in der Stadt.

Ich erfahre noch, dass es ursprünglich ein Einfamilienhaus war. Der Bauantrag wurde 1929 eingereicht. Erst nach der Wende wurde das Haus in 2 Wohnungen geteilt. Er verspricht mir, wenn das Finanzamt die steuerliche Zusammenlegung mit Garage und Haus abgeschlossen hat, ruft er mich an und zeigt mir die Pläne. Bisher gab es keine Baupläne, keine Grundrisse, keine Besichtigungen für uns zu sehen. Nur Google Earth und ne hässliche Hausfront. Ich weiß nicht, ob man das so offen sagen darf, aber das Haus an sich ist ein Schandfleck. Der ältere Herr stimmt mir zu. Schön war das Haus mal vor langer Zeit.

Ich gehe nach Hause und erzähle die neusten Bewegungen in diesem Hausfall meinem Mann. Er brummt, die wollen bestimmt viel zu viel Geld für die Bruchbude und dann muss man noch abreißen und die Nebenkosten. Nee, auf keinen Fall! Und so brummte er weiter. Ich sagte ihm, ich ziehe nicht aus dem Viertel fort. Wenn er ein besseres Objekt hat, her damit.

Es brummte noch eine ganze Weile…

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