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Hausblog 2-die ersten Schritte

Eines schönen Tages, im März 2015, verabredete ich mich mit einer lieben Freundin zum gemeinsamen Abend bei uns. Da ich aber einen richtigen Kacktag hatte, entwickelte ich gewisse Gelüste – ich wollte Rauchen. Zwar hatte ich dieses Laster bereits im Oktober 2014, zur Hochzeit, abgelegt, es gab allerdings Trigger die ich noch nicht so ganz ablegen konnte. Das eine war/ist Stress und der zweite Trigger ist Alkohol. Freundin kam mit Zigaretten vorbei und wir gingen eine Runde spazieren. Kaum waren wir zur Haustür raus, lief mir meine Nachbarin über den Weg. Diese Nachbarin wohnte in dem einzigen völlig renovierungsbedürftigen Haus der Straße und seit ich hier wohne, warte ich auf die Gelegenheit sie anzusprechen um nach den Besitzern zu fragen. An diesem Tag war es egal, ob ich erfolgreich sein würde oder nicht, also sprach ich die arme Frau an und überrumpelte sie. Sie antwortet! Sie ist Mieterin und die Eigentümer wollen verkaufen. Mein Herz hüpfte. Die Eigentümer leben aber nicht hier. Mein Herz hörte auf zu hüpfen. Das geht über die Verwalter, sagte sie mir, die wohnen in dem Eckhaus. In dem Fritz-Haus.

Fritz war ein Kater der uns zugelaufen ist und nicht mehr gehen wollte. Nachdem wir die Katze ganz offiziell als Fundtier im Tierheim der Stadt angemeldet hatten und beschlossen den Halbstarken kastrieren zu lassen, tauchte die Besitzerin auf. Da lebte Fritz schon zwei Wochen bei uns. Sie donnerte kurz aber heftig über unseren Seelenfrieden. Sie wollte uns anzeigen, unter anderem wegen Unterschlagung, denn wir wollten den Kater nicht einfach hergeben und Diebstahl, weil wir den Kater angeblich geklaut haben und wegen Sachbeschädigung. Wir sind doch tatsächlich der hier geltenden Kastrationspflicht nachgekommen, wir Monster! Diese besagte Dame wohnte im gleichen Haus wie die Verwalter. Bei einem Drei-Familienhaus beträgt die Wahrscheinlichkeit, nach meinen Erfahrungen, mindestens 100 %, dass die Katzenbesitzerin und die Verwalter sich kennen. Die Bauchschmerzen dort zu klingeln waren also groß und ich überlegte, ob es das wirklich wert war. Als Frau von Welt beauftragte ich also meinen Mann das in die Hand zu nehmen. Mein Mann warf die große Suchmaschine an und legte mir irgendwann einen Zettel mit einer Nummer hin. „Da, ruf an.“ Wozu habe ich einen Mann? Ich wollte dieses Haus, also rief ich an. Es klingelt. Es klingelte weiter und es klingelt und klingelte… nach drei Tagen permanenten Durchklingelns beschlich mich das Gefühl, das Telefon könnte kaputt sein. Gegen den ausdrücklichen Wunsch meines Mannes und mit meinem Achterbahn fahrendem Bauch, sowie meinem Herzen in der Hand stand ich vor der großen weißen Holztür und klingelte. Vielleicht hat ja mein Mann Recht als er sagte ich bin verrückt.

Während ich auf eine Reaktion warte, knete ich meine Finger, atmete tief ein und aus und überlege wie bescheuert mein Vorhaben eigentlich ist. Der Summer geht an und ich drücke diese riesige Holztür auf. Vor mir im Hausflur steht ein älterer Herr mit hochgezogener Hose und begrüßt mich neugierig. Er rückt seine Brille hoch „Ja, bitte?“. Tief einatmen, die Hand reichen (mögen ältere Herrschaft), lächeln und artig meinen vorher zurechtgelegten Text aufsagen. „Hallo, ich bin eine Nachbarin aus der Straße und habe gehört das Haus Nummer 3 wird verkauft. Die Mieterin meinte, ich solle mich mit Kaufabsichten an Sie wenden.“ Der Herr schaut mich freundlich an und nickte. „Nun, junges Fräulein, jetzt kommen Sie erstmal rein. Sowas muss man ja nicht zwischen Tür und Angel besprechen.“

Er bietet mir einen Platz im Wohnzimmer an und holt seine Frau dazu. Nein, ich bin nicht aufgeregt, ich habe auch keine Angst oder Panik. Ich rufe nochmal alle Argumente für die Fritzkatze zurück in den Kopf, alle Vorkommnisse sind gut sortiert und abgespeichert, jederzeit aus meinem Gedächtnis abrufbar. Nur für den Fall das ich das brauchen könnte, falls sie mich aus dem Haus werfen wollen. Man weiß ja nie. Andererseits, überlege ich, vielleicht sollte man das Thema „Miezekatze“ gekonnt umgehen. Ich nehme mir vor viel zu lächeln, mein Anliegen vorzubringen und die Katzen dieser Welt einfach Katzen sein zu lassen.

Insgesamt sitze ich eine gute Stunde dort. Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre ein paar Details zu der Geschichte des Hauses. Die Tochter des verstorbenen Eigentümers ist die Alleinerbin und für sie gibt es noch andere Optionen, wie zum Beispiel die Sanierung und Vermietung. Diverse Nachbarn haben bereits Interesse am Grundstück gezeigt um ihren eigenen Garten zu vergrößern. Mit charmanten Lächeln verkünde ich: „Nun, wir haben noch kein Haus oder Garten, welches wir vergrößern könnten.“ Der ältere Herr musste lachen und hat den Wein nachgeschenkt.

 

Als ich mich freundlich verabschiedete, machte mein Herz einen Sprung. So nah waren wir noch nie an einem Haus. All die Angst war weg. Nur diese Fritz-Geschichte nagte noch an mir. Bin ich paranoid, frage ich mich als ich draußen stehe und meinen Mann anrufe…

Es ist Anfang April.

 

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